Ein bisschen mehr Hochachtung, bitte sehr. Schließlich bin ich der Brockenkönig. Das hört sich nicht nur kolossal an, das ist es auch: Brockenkönig 2015, so massiv wie royal, ein Titel für die Ewigkeit.

Okay, wir waren nur zu siebt. Aber es ist nicht meine Schuld, dass sich die Anderen von dem Dauerregen und den fünf Grad Celsius haben abschrecken lassen und meine Altersklasse nach oben offen war, weshalb auch drei Rentner in Schierke am Start standen. Erster ist Erster.

Wenn man den Pokal in ein bestimmtes Licht hält, könnte man meinen, er sei aus Silber und nicht aus Dosenblech. Das kleine Schild auf dem Steinfuß glänzt dagegen golden: „1. Platz über 60 Jahre“, entzifferte ich auf dem Nachhauseweg. Wie, über 60? Ja, da sei ihnen wohl ein kleiner Fehler unterlaufen, entschuldigte sich der Veranstalter tags drauf am Telefon.

Da saß ich da mit meinem Siegerpokal, den einzigen, den ich jemals erhalten hatte, den ich aber niemandem vorzeigen konnte, weil ich mich nicht als Ü-60-Jähriger ausgeben wollte, der ich, Gott sei Dank, noch nicht bin.

Sollte ich die 60 mit einem Edding schwärzen und mit Tippex „50“ drüber malen? Das würde auffallen. Also bin ich zum Gravur-Otto in die Hauptstraße, weil es auch um sportgeschichtliche Wahrheit geht. „12 Euro 50“, sagte Gravur-Otto. Da habe ich den Pokal gleich dagelassen.

Das neue Schild auf dem Sockel glänzt fast noch goldener als das alte, was vermutlich an der Inschrift liegt: „Brockenkönig 2015, 1. Platz über 50 Jahre“. Wie wahr!

 

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