Ich hasse Wind. Selbst wenn er mich antreibt. Denn ich weiß, das ist ein kurzes Vergnügen. Irgendwann muss ich retour. Und dann treibt mich der Wind nicht mehr an.

Wenn ich nach Süden rausfahre, steht da ein Windrad. Da schaue ich voller Furcht hinauf: Wie schnell dreht sich der Flügel? Wie groß wird die Pein heute sein?

Einmal habe ich versucht, nicht hinzuschauen. Weil der Wind sowieso der stärkere ist, habe ich mir halb-buddhistisch einzureden versucht. Ein Holländer hatte mir mal geraten, den Wind als seinen Freund zu begreifen. Dann rolle es sich gleich viel leichter, meinte er. Ich habe es nicht geschafft. Ich musste hinschauen, und es war wieder eine einzige Strafe.

Was mich zermürbt, ist das Unsichtbare. Wenn ich einen Berg hochfahre, weiß ich, warum ich langsamer werde. Ich sehe die Steigung. Den Wind sehe ich nicht. Er ist der unsichtbare Feind. Denn glaubt man, er kommt von links, dreht er unversehens auf rechts. Und bläst er doch mal konstant von nord-nord-ost, ist das auch kein Trost. Denn man sieht es schon von weitem: am Ende des Maisfeldes schlägt die Straße einen Haken – und dann hat man ihn im Gesicht, den Wind.

Ich habe gegoogelt, aber es gibt keine Selbsthilfegruppe für Gegenwind-Oper. Ich sollte eine gründen.

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