Diesmal ist alles anders bei der Tour de France – und das nicht nur wegen Corona. Die Etappensieger werden zwar weiterhin von zwei Hostessen eingerahmt, aber nur eine ist weiblich – und die andere, genau: männlich. Der Tour-Veranstalter versteht seine geschlechts-paritätische Neuerung als Zeichen gegen Sexismus. Ich sehe hingegen lauter Gefahren bei der Umsetzung.

Wobei ich nicht sicher bin, ob die Ausgestaltung von Siegerehrungen das dringlichste Problem des hochriskanten Radsports ist. Zumal gerade mal 38.000 Unterschriften zusammengekommen sind für die Abschaffung der Podiums-Hostessen. Die Petition für das Verbot von Berliner Pferdekutschen brachte es auf über 80.000.

Womit ich die Tour-de-France-Damen nicht mit Ackergäulen vergleichen will. Schon weil die viel schmaler sind als die Gäule. Allerdings auch kleiner. Denn die Rennradfahrer sind meist von niedrigem Wuchs, da sollen die Ehren-Damen die Sieger nicht überragen.

Und sicherlich auch nicht die Ehren-Herren. Aber so viele kleinwüchsige Models gibt es nicht, die zudem nicht breitschultrig sein dürfen. Sonst stehen die Fahrer immer in deren Schatten, und dann kommen die sich irgendwann derart mickrig vor, dass sie am Ende gar nicht mehr gewinnen wollen. Und dann kann man die Tour de France abschaffen.

Fürs erste könnte man sich behelfen, indem man das Siegerpodest höher baut, so ein Meter 50 hoch. Dann guckt auch der kleinste Sieger über die Hostessen hinweg, egal welchen Geschlechts die sind. Da müsste man dann allerdings eine Leiter neben das Podest stellen, damit die Fahrer da auch draufkommen. Die Frage, welche von beiden Hostessen den Sieger küssen darf, kann man dann immer noch klären, wenn der Impfstoff da ist.

Müssen jetzt nur noch die Boxer nachziehen und ihre Nummern-Girls durch Boys ersetzen. Eine gute Gelegenheit böte sich beim Comeback-Kampf von Mike Tyson, Ende November in Las Vegas. Das wäre spannend zu beobachten, wie der Ohrbeißer – und mit ihm die sicherlich wieder zahlreich im Publikum vertretenen Zuhälter – reagieren, wenn Männer glitzernde Schilder mit Zahlen hochhalten und Stöckelschuhe an den Füßen haben.

Ja, man muss manchmal auch was wagen für die Gleichberechtigung.

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar